Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein begeht Jubiläumsjahr
Gründung der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein vor 200 Jahren
Am 8. Juli 2011 jährt sich zum 200. Mal die Eröffnung der „Königlich Sächsischen Heil- und Verpflegungsanstalt Sonnenstein“. Sie war die erste dauerhaft existierende staatliche Betreuungseinrichtung für psychisch kranke Menschen in Deutschland. Zudem war die Einrichtung, welche 40 Jahre von dem bedeutenden Psychiater Dr. Ernst Pienitz geleitete wurde, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Musteranstalt von europäischer Bedeutung. Zahlreiche Ärzte und Philanthropen, aber auch Verwaltungsbeamte und Reisende aus Deutschland und Teilen Europas suchten die Anstalt in dieser Zeit auf und berichteten über sie. Diese Anerkennung beruhte auf den beachtlichen Heilungserfolgen, die das Ergebnis innovativer Behandlungs- und Betreuungskonzepte wie der Beschäftigungstherapie und Musiktherapie waren. Gerade hierin und in einer exzellenten Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses hat die Sonnensteiner Anstalt der deutschen Psychiatrie entscheidende Impulse verliehen.
Die Sonnensteiner Einrichtung wurde auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf hohem Niveau geführt und durchlief in den 1920er Jahren mit der erweiterten Beschäftigungstherapie und offenen Fürsorge noch einmal eine progressive Entwicklungsphase. Die Nationalsozialisten gaben ab 1933 mit eingeschränkter Therapie, Zwangssterilisationen und „Sonderkost“ für chronisch kranke Patienten die humanistischen Ideale auf. Den dramatischen Schlusspunkt setzten wiederum die Nationalsozialisten mit der Schließung der traditionsreichen Landesanstalt und der Einrichtung einer Tötungsanstalt für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen, in der sie in den Jahren 1940/41 fast 15.000 Menschen ermordeten.
Im Jubiläumsjahr sind mehrere Veranstaltungen, eine Sonderausstellung, geführte Stadtrundgänge und die Herausgabe einer Publikation geplant.
Oberbürgermeister und Schirmherr des Jubiläumsjahres Klaus-Peter Hanke: „Dieses Jahr möchten wir zum Anlass nehmen, die Gedenkstätte ein wenig intensiver ins Bewusstsein der Stadt zu holen. Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt gehört mit all ihren geschichtlichen Facetten zum kulturellen Gedächtnis unserer Region.